Donnerstag, 11. März 2010

Auf Carters Spuren ... im heimischen Wohnzimmer


Vor kurzem verwandelte sich meine Wohnung für eine Testrunde des Murder&Mystery-Spiels „Der Fluch des Pharao“ in eine archäologische Ausgrabungsstätte (böse Zungen mögen an dieser Stelle einwenden, dass da kaum einen Unterschied zum Normalzustand besteht...). Meine Braunschweiger Mitstreiter der LARPzeit-Redaktion sowie einige Freunde, die nicht schnell genug eine Ausrede parat hatten, „opferten“ sich, um mich bei meiner knallharten Recherche zu unterstützen (eine Einladung zum Essen bewirkt bei runtergekommenen LARPzeit-Sklaven und Studentenpack erfahrungsgemäß wahre Wunder).

Bei „Der Fluch des Pharao“ handelt es sich um eine Art Party-Krimi-Rollenspiel, bei dem die Teilnehmer in vorgegebene Rollen schlüpfen, einen Mord aufklären und einander hinterherschnüffeln dürfen – eine Mischung aus Cluedo, Tischrollenspiel und Live-Rollenspiel. Zuviel von der Handlung soll an dieser Stelle nicht verraten werden, vielleicht will es der eine oder andere ja selbst ausprobieren: „Der Fluch des Pharao“ spielt im Jahr 1890 auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte im Tal der Könige. Der Ausgrabungsleiter hat seine wissenschaftlichen Kollegen sowie bedeutende Persönlichkeiten der englischen Kolonie Ägypten zu einem Dinner eingeladen, um seinen jüngsten Grabungserfolg zu feiern. Allerdings überschatten ein Mordfall und weitere rätselhafte Ereignisse die Feier.

Das Spiel lädt sechs bis neun Teilnehmer (zuzüglich einen Spielleiter) ein, auf den Spuren des berühmten Archäologen Howard Carter zu wandeln ... gemütlich zuhause in der eigenen Wohnung. Jeder Mitspieler erhält im Vorfeld eine Charakterbeschreibung, die seine Rolle sowie deren Ziele im Spiel vorstellt. Alle Rollen sind miteinander verknüpft, so dass ein großes Potential für Interaktion und Verwicklungen gegeben ist.

Wie man bereits erahnen kann, setzt das Spiel eine gehörige Portion Vorstellungskraft voraus, schließlich gilt es sich eine ganz normale Wohnung als Ausgrabungsstätte in der Wüste vorzustellen. Das Spiel sollte übrigens in mehreren Räumen der Wohnung stattfinden, für den Spielverlauf ist es nämlich von Bedeutung, dass sich Charaktere auch einmal abseits der anderen vertraulich unterhalten können. Die Spieldauer ist schwer im Vorfeld einzuschätzen. Je mehr sich die Teilnehmer in ihre Rollen versetzen und Rollenspiel untereinander betreiben desto länger dauert der Spaß. Man sollte aber grob einen ganzen Abend einplanen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Spielmechanik: An die dunklen Geheimnisse der anderen Spieler kommt man im Wesentlichen durch den Einsatz von Fertigkeiten, die den Gegner zwingen, seine Informationen preiszugeben. Auch das Kampfsystem ist ungewohnt, denn alle gewaltsamen Auseinandersetzungen sollen durch das Spielen von Schere-Stein-Papier simuliert werden.

Das Spiel wird als pdf-Fassung verkauft und muss selbst ausgedruckt werden. Leider sind die enthaltenen Dokumente nicht sehr übersichtlich gegliedert. Als Spielleiter hat man daher beim Ausdrucken, Sortieren und Einlesen einiges zu tun. Dazu kommt, dass die verschiedenen Handouts recht lieblos und einfach gestaltet wirken.

Spaß macht Der Fluch des Pharao aber auf jeden Fall, auch wenn die speziellen Spielkonzepte manchmal etwas gewöhnungsbedürftig sind. Dieses Spiel sowie zwei weitere der Reihe können unter www.krimispiel.net erworben werden.

Dienstag, 9. März 2010

Pervasive Games: Theory and Design

Ob Alternate-Reality-LARP in der Innenstadt von Frankfurt, Pac-Man mit menschlichen Spielfiguren in den Straßen von New York oder das berühmt berüchtigte Spiel Killer (bei dem sich die Teilnehmer in allen Lebenslagen gegenseitig als Auftragsmörder auflauern) – so genannte Pervasive Games (von engl. pervasive = durchdringend, überall vorhanden) verwischen die Grenzen zwischen Spiel- und Alltagswelten.
In Pervasive Games: Theory and Design bieten die Autoren auf mehr als 300 Seiten einen ausführlichen Einblick in die Geschichte, Theorie, Mechanismen und Möglichkeiten dieser Spielformen. Eingehende Fallstudien beschreiben dabei bekannte und weniger bekannte Pervasive Games. Die Autoren behandeln außerdem Probleme dieser Spielform, zum Beispiel, ob es ethisch vertretbar ist, unbeteiligte Personen ohne ihr Wissen mit ins Spiel einzubeziehen. Darüber hinaus geben sie detaillierte praxisnahe Tipps zur Umsetzung und Planung dieser Spiele, wie etwa zum Thema Marketing.
Das englischsprachige Buch zeichnet sich trotz des wissenschaftlichen Anspruchs durch einen angenehmen Schreibstil aus. Es ist übersichtlich strukturiert, sodass sich einzelne Themen schnell nachschlagen lassen. Ein hilfreiches Werk für jeden, der sich näher mit Pervasive Games auseinander setzen will.