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Dienstag, 25. März 2014

(Nicht nur) für Larp-Theoretiker - Aufsatzsammlungen zum Knutpunkt 2014

Nächste Woche findet in Schweden der Knutpunkt 2014 statt, eine große internationale Konferenz rund um LARP. Dazu wird traditionell auch immer (mindestens) eine Aufsatzsammlung veröffentlicht, mit einer bunten Mischung an Artikeln von Autoren aus aller Welt. In diesem Jahr sind dabei zwei Bücher herausgekommen, die bereits jetzt kostenlos zum Download zur Verfügung stehen:

Das erste Buch The Cutting Edge of Nordic Larp bietet 19 Aufsätze auf fast 200 Seiten.
Mein persönlicher Tipp ist Crowdfunding Celestra von Markus Montola (ab Seite 135), eine Analyse der Crowdfunding-Kampagne für das schwedische Larp Monitor Celestra - nicht nur weil ich auf dem Larp war, in das Crowdfunding investiert habe und die Beobachtungen des Autors teile. Seine Analyse erscheint mir auch nützlich für Veranstalter die selbst ein Crowdfunding für ein größeres Projekt in Erwägung ziehen.
Für Larper die sich in akademischen Umfeldern mit dem Hobby Live-Rollenspiel beschäftigen, könnte insbesondere der Artikel  From Hobbyist Theory to Academic Canon von J. Tuomas Harviainen (ab Seite 183) interessant sein.

Ein zweites Buch, The Foundation Stone of Nordic Larp, beschäftigt sich eingehender mit Nordic Larp, jener vornehmlich im skandinavischen Raum verbreiteten Spielart des Hobbys, die sich stark mit künstlerischen und/oder politischen Themen befasst. Hier haben die Herausgeber einige zentrale Aufsätze der letzten Jahre zusammengefasst, die zum Verständnis dieser Stilrichtung und Szene beitragen sollen. Außerdem präsentieren sie eine Reihe von Beiträgen über herausragende Veranstaltungen des Nordic Larp-Kanons.

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Nachtrag 1: Der norwegische Larper Ole Peder Giæver hat in seinem Blog einen ausführlichen Inhaltsüberblick zu The Cutting Edge of Nordic Larp verfasst - etwas, für das ich bisher zu faul war. ;-)

Nachtrag 2: Das PDF von The Foundation Stone of Nordic Larp war bisher fehlerhaft (es fehlte ein Artikel), wurde aber am 26.3.2014 korrigiert und neu hochgeladen.

Mittwoch, 27. November 2013

KOLA 2013: Tagungsband

Die polnische LARP-Konferenz KOLA 2013 fand zwar schon im Januar statt, nun ist allerdings die englische Übersetzung des Tagungsbandes erschienen. Dieser umfasst 17 Artikel auf insgesamt 96 Seiten und bietet interessante Informationen über polnisches LARP und die Sichtweisen polnischer LARPer auf das Hobby. Das Dokument findet sich unter http://issuu.com/wielosfer/docs/kola13-publication.

Übrigens: Die nächste KOLA -Konferenz findet vom 3. bis 5. Januar 2014 in Gdynia statt. Informationen gibt es unter www.kola2014.larpowa.eu.

Dienstag, 24. Januar 2012

Vorläufer der Mittellande – Proto-LARP 1941


Bereits Ende der 30er/Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten amerikanische Studenten Spaß daran, sich phantastische Welten auszudenken und diese dann in albernen ambientigen Kostümen zum Leben zu erwecken. So berichtet das Life Magazine im März 1941 über Studenten der University of Nebraska, die gemeinsam den Planeten Atzor bespielen. Dabei scheint es sich in erster Linie um Hofhaltungs- und Diplomatiespiel gehandelt zu haben, in das zeitweise bis zu 400 Personen involviert waren. Einen wichtigen Anteil haben offenbar auch die Konflikte um die Grenzen imaginärer Länder ausgemacht (womit diese Proto-LARPer in gewisser Weise Vorfahren der Mittellande-Kampagne waren ...). Eine weitere Kontinuität: Schon 1941 hat derartige Freizeitgestaltung das elterliche Misstrauen geweckt.

Den Schöpfer des Planeten Atzor, einen gewisser Frederick Lee Pelton alias Kaiser Frederick II., hat die Phantastik offenbar auch später nicht losgelassen. Vor seinem frühen Tod im Jahr 1950 hat er verschiedene Beiträge zu Lovecrafts Cthulhu-Mythos verfasst, darunter mit dem Sussex Manuscript das vermutlich erste Fan-Fiction-Necronomicon.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Was passiert eigentlich ...

... wenn man einer Computerspiellegende ein Polsterschwert in die Hand drückt und ihn in die LARP-Umsetzung einer typischen Hack'n'Slay-Queste wirft? Das Magazin buffed hat es ausprobiert und Diablo-(Mit)Erfinder Max Schaefer zusammen mit einer Begleiterin auf Monsterjagd geschickt. Genretypisch treffen sie dabei nicht nur auf massenhaft Zombies (die sie mit großer Begeisterung immer wieder in Stücke hacken) sondern auch auf zufällig am Wegesrand wartende Questgeber und Händler, bei denen sich bessere Ausrüstungsgegenstände abgreifen lassen. Ganz zum Schluss darf Schaefer dann natürlich auch seiner Schöpfung, dem fiesen Diablo entgegentreten (wobei ich den aus den Spielen irgendwie größer in Erinnerung hatte).

Herausgekommen ist bei dieser Aktion vielleicht kein "ernstzunehmendes LARP", aber die Beteiligten hatten ganz offensichtlich eine Menge Spaß ...
Das Video zum Experiment findet sich hier.

Freitag, 22. Juli 2011

It's full of LARPs









Ob als Fische im Aquarium eines asiatischen Restaurants (Prawn), in einem Gemälde gefangene Galeriebesucher (Irgendwie Kunst ...) oder gar Schlümpfe - bei sogenannten MiniLARPs können die Mitspieler innerhalb kurzer Zeit intensive Situationen erleben, in fremde Rollen und Genres eintauchen oder neue Ideen ausprobieren. Wer solche kurzen Spiele schon immer mal auszuprobieren wollte, oder einfach Lust auf etwas Neues hat, der sollte sich It's full of LARPs genauer ansehen. Hier erwartet die Teilnehmer ein Wochenende in einem gemütlichen Selbstversorgerhaus im Hunsrück voller kleiner und kleinster LARPs in unterschiedlichsten Settings und Konstellationen. Die Kosten betragen 80,- Euro inklusive zwei Übernachtungen und Vollverpflegung – an deren Zubreitung sich die Teilnehmer aber genau so beteiligen müssen wie an allen anderen Aufgaben des gemeinsamen Wochenendes. Weitere Infos zur Veranstaltung gibt es unter www.reality-check.me.

Donnerstag, 31. März 2011

Von Liebe und Wahnsinn: Dokumentation zum dänischen LARP "Delirium"

Delirium documentary from Nordic Larp on Vimeo.

"We wanted the players to experience not having to pretend to be mad but to grow unsure about their sanity as they entered our fiction"

Eine interessante und sehr ausführliche Dokumentation zu Delirium, einem surrealistischen, dänischen LARP. Das Video ist (überwiegend) in dänisch, allerdings mit englischen Untertiteln.

Freitag, 11. Februar 2011

Von Steampunk-Raumschiffen und LARP im Atomreaktor ...


Unabhängig von den Bücher zum Knudepunkt wurde im Norden Europas Anfang des Jahres ein weiteres, ziemlich beeindruckendes Buchprojekt veröffentlicht: Nordic Larp bietet auf reich bebilderten 322 Seiten ausführliche Dokumentationen zu 30 außergewöhnlichen Live-Rollenspielen aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Das englischsprachige Buch ist als großformatiges Hardcover mit Schutzumschlag erschienen.

Ob Steampunk-Raumschiff in einem ehemaligen russischen U-Boot, 20 Meter langer, Drache oder Alternate-Reality-Game in einem ehemaligen Atomreaktor tief unter den Straßen von Stockholm – Nordic Larp zeigt eindrucksvoll was im Hobby Live-Rollenspiel alles möglich sein kann (zumindest wenn man in den nordischen Ländern lebt). Und wenn man als deutscher LARPer jetzt noch nicht neidisch ist, dann vielleicht wenn man erfährt, dass dieses Buch aus verschiedenen Kulturfonds mit Fördergeldern in Höhe von knapp 30.000 Euro unterstützt wurde.

Weitere Informationen zum Buch gibt es unter http://nordiclarp.wordpress.com/

Freitag, 4. Februar 2011

Verrückt nach diesem Typen ...

... oder wegen ihm? Ausgelöst von einem Netzfundstück gab es auf LarpeR.Ning vor einigen Tagen eine recht scharfe Diskussion über Frauenrollen im LARP (und – wie das so läuft bei Internet-Diskussionen unter Live-Rollenspielern – irgendwann auch ganz allgemein über Geschlechterfragen, Gleichberechtigung, Frauenbilder, Männerbilder, Frauenunterdrückung, Männerunterdrückung, die Frage wer zuerst Jehova gesagt hat etc.). Ganz am Rande stellten einige Diskussionsteilnehmer Überlegungen an, wie wohl ein Con aussehen würde, bei dem gängige Geschlechterrollen mal umgedreht wären.

Ein Spiel, das dem zumindest nahe gekommen sein dürfte und sich explizit mit Genderfragen auseinandergesetzt hat, hat im letzten Jahr in Norwegen stattgefunden. Mad about the Boy spielte in der nahen Zukunft, in der alle Männer durch ein Virus getötet wurden und sich eine reine Frauengesellschaft neu formieren muss. Es ging um jede Menge Konflikte, die sich um den Kampf gegen das Aussterben der Menschheit, neue Familien- und Gesellschaftsmodelle drehten. Außerdem wurden die Charaktere (logischerweise alles Frauen) mit einem überlebenden Mann konfrontiert und mussten entscheiden, wie mit diesem zu verfahren sei.

Eine ausführliche Dokumentation zu diesem Spiel, findet sich in Do Larp - Documentary Writings from KP2011, dem zweiten Buch zum diesjährigen Knudepunkt. Außerdem bietet das Buch auf 220 Seiten zwölf weitere Beschreibungen von sehr unterschiedlichen Live-Rollenspielen, die, so zumindest das ehrgeizige Ziel der Herausgeber, für andere Veranstalter als „Blaupausen“ dienen sollen. Da gibt es zum Beispiel das etwas seltsame finnische Kunstlarp The Plastic Cup (bei dem die Spieler mehrere hundert Porzellantassen zerstören dürfen) oder das israelische Mini-LARP Salem 1906 - The Secret Sauce (inspiriert von den Hexenprozesse von 1692 in Salem, New England und mit dem Ziel, Spieler mit moralischen Problemen zu konfrontieren).

Das Buch ist auf jeden Fall eine tolle Möglichkeit um auf neue Ideen zu stoßen und ungewohnte Spielmechaniken kennenzulernen ... auch abseits von irgendwelchen Genderfragen ;-)
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Nachtrag: Eine Vorlage zu Mad about the boy war übrigens die Graphic Novel Y: THE LAST MAN (Danke für den Link, Teena)

Sonntag, 30. Januar 2011

Warum gibt es in Japan eigentlich kein LARP?

Eine Antwort auf diese Frage findet sich nicht in diesem Blog, sondern in Think Larp - Academic Writings from KP2011, der ersten (und wissenschaftlichsten) von insgesamt drei Aufsatzsammlungen, die zum diesjährigen Knudepunkt in Dänemark erstellt wurden.
Interessant ist der Ansatz, den die Herausgeber gewählt haben: Die Autoren sollten ihre Arbeit unter dem Gesichtspunkt ‘What if larp wasn’t an academic discipline of its own?’ einreichen (eine Fragestellung die sehr schön zeigt, dass Otto-Normal-LARP-Theoretiker in den nordischen Ländern die Forschung rund um LARP natürlich eigentlich als eigene wissenschaftliche Disziplin betrachtet).
Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen, das Spektrum der zehn Aufsätze reicht von Genderfragen im LARP bis hin zu Nietzsche. Zur Einführung gibt es außerdem einen ausführlichen Überblick über die Entwicklung der wissenschaftlichen Herangehensweise an LARP in Skandinavien und Finnland im Verlauf der letzten Jahre. Das dürfte insbesondere für Leser hilfreich und interessant sein, die mit der Tradition der nordischen LARP-Konferenz und den zahlreichen bisher publizierten Büchern nicht vertraut sind.

Mein Lieblingsartikel ist gleich der erste Beitrag, From Subculture to Mainstream. Die Historikerin Maya Müller geht darin der Frage nach, wie sich das Ansehen der dänischen LARP-Szene von einer Subkultur für Fantasy-Nerds (auch die dänischen Live-Rollenspieler mussten sich in den 90ern mit Presseberichten herumschlagen, die über LARP als mutmaßlichen Auslöser von Gewalttaten oder doch zumindest als komisches Hobby für soziale Außenseiter referierten) zu einem pädagogisch wertvollen Mainstream-Hobby für Kinder und Jugendliche entwickeln konnte.

Das gedruckte Buch erscheint zum Knudepunkt am 11. Februar, steht aber bereits jetzt zum Download zur Verfügung. Aber Vorsicht: Wer keinen Spaß daran hat sich in komplexe Abhandlungen einzulesen, sollte einen großen Bogen um dieses Buch machen.

Donnerstag, 6. Mai 2010

LARP? Kein LARP? Nordic LARP!


Kurz vor dem diesjährigen Knutpunkt fanden im Stockholm Staatstheater die Nordic Larp Talks statt, Vorträge über LARP an sich sowie verschiedene außergewöhnliche LARP-Projekte der letzten Jahre in Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. Zielpublikum waren allerdings nicht in erster Linie LARPer, sondern Vertreter der Theater- und Kunstszene, denen gezeigt werden sollte was im Bereich LARP möglich ist.

Die Beiträge wurden parallel im Internet als Livestream gesendet und das Video ist immer noch verfügbar:



Das Video ist leider ungeschnitten, daher hier eine kleine Inhaltsangabe:

0:06:50 Start/Einleitung (LARP für Nicht-LARPer)
0:31:30 System Danmarc (ein politisch-motiviertes Dark-Future(?)-Spiel)
0:44:45 Mellan Himmel och Hav
0:54:00 Totem
1:03:00 Futuredrome/Boarderland (ein Festival, das LARP mit Burning Man vermixed)
1:12:30 Immersive Aesthetics (zum Thema „360 Grad LARP“, u.a. mit den Projekten Hamlet und Carolus Rex, einem Retro-Science-Fiction-LARP in einem ehemaligen sowjetischen U-Boot)
1:32:30 Critical Strategies of Larp

Auch wenn ich sicher nicht an jedem der vorgestellten Spiele Spaß gehabt hätte, finde ich immer wieder faszinierend, was andere Menschen im Bereich „LARP“ so anstellen.

Donnerstag, 29. April 2010

I'm not a member ...

... und wenn doch, dürfte ich nicht darüber reden. Auf dem diesjährigen Knutpunkt hat Company P (eine schwedische Firma, die sich mit Pervasive Games bzw. Alternate Reality Games beschäftigt) ein neues Projekt vorgestellt, das das Potenzial hat ihr letztes "großes Werk" The Truth about Marika mit dem die Macher immerhin einen Internationalen Emmy gewonnen haben) in den Schatten zu stellen. Mit an Bord ist niemand geringeres als Tim Kring (der Schöpfer der Fernsehserie Heroes) und das Projekt wird unter anderem von Nokia gesponsort.
Aber wie gesagt ... I'm not a member!

Donnerstag, 11. März 2010

Auf Carters Spuren ... im heimischen Wohnzimmer


Vor kurzem verwandelte sich meine Wohnung für eine Testrunde des Murder&Mystery-Spiels „Der Fluch des Pharao“ in eine archäologische Ausgrabungsstätte (böse Zungen mögen an dieser Stelle einwenden, dass da kaum einen Unterschied zum Normalzustand besteht...). Meine Braunschweiger Mitstreiter der LARPzeit-Redaktion sowie einige Freunde, die nicht schnell genug eine Ausrede parat hatten, „opferten“ sich, um mich bei meiner knallharten Recherche zu unterstützen (eine Einladung zum Essen bewirkt bei runtergekommenen LARPzeit-Sklaven und Studentenpack erfahrungsgemäß wahre Wunder).

Bei „Der Fluch des Pharao“ handelt es sich um eine Art Party-Krimi-Rollenspiel, bei dem die Teilnehmer in vorgegebene Rollen schlüpfen, einen Mord aufklären und einander hinterherschnüffeln dürfen – eine Mischung aus Cluedo, Tischrollenspiel und Live-Rollenspiel. Zuviel von der Handlung soll an dieser Stelle nicht verraten werden, vielleicht will es der eine oder andere ja selbst ausprobieren: „Der Fluch des Pharao“ spielt im Jahr 1890 auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte im Tal der Könige. Der Ausgrabungsleiter hat seine wissenschaftlichen Kollegen sowie bedeutende Persönlichkeiten der englischen Kolonie Ägypten zu einem Dinner eingeladen, um seinen jüngsten Grabungserfolg zu feiern. Allerdings überschatten ein Mordfall und weitere rätselhafte Ereignisse die Feier.

Das Spiel lädt sechs bis neun Teilnehmer (zuzüglich einen Spielleiter) ein, auf den Spuren des berühmten Archäologen Howard Carter zu wandeln ... gemütlich zuhause in der eigenen Wohnung. Jeder Mitspieler erhält im Vorfeld eine Charakterbeschreibung, die seine Rolle sowie deren Ziele im Spiel vorstellt. Alle Rollen sind miteinander verknüpft, so dass ein großes Potential für Interaktion und Verwicklungen gegeben ist.

Wie man bereits erahnen kann, setzt das Spiel eine gehörige Portion Vorstellungskraft voraus, schließlich gilt es sich eine ganz normale Wohnung als Ausgrabungsstätte in der Wüste vorzustellen. Das Spiel sollte übrigens in mehreren Räumen der Wohnung stattfinden, für den Spielverlauf ist es nämlich von Bedeutung, dass sich Charaktere auch einmal abseits der anderen vertraulich unterhalten können. Die Spieldauer ist schwer im Vorfeld einzuschätzen. Je mehr sich die Teilnehmer in ihre Rollen versetzen und Rollenspiel untereinander betreiben desto länger dauert der Spaß. Man sollte aber grob einen ganzen Abend einplanen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Spielmechanik: An die dunklen Geheimnisse der anderen Spieler kommt man im Wesentlichen durch den Einsatz von Fertigkeiten, die den Gegner zwingen, seine Informationen preiszugeben. Auch das Kampfsystem ist ungewohnt, denn alle gewaltsamen Auseinandersetzungen sollen durch das Spielen von Schere-Stein-Papier simuliert werden.

Das Spiel wird als pdf-Fassung verkauft und muss selbst ausgedruckt werden. Leider sind die enthaltenen Dokumente nicht sehr übersichtlich gegliedert. Als Spielleiter hat man daher beim Ausdrucken, Sortieren und Einlesen einiges zu tun. Dazu kommt, dass die verschiedenen Handouts recht lieblos und einfach gestaltet wirken.

Spaß macht Der Fluch des Pharao aber auf jeden Fall, auch wenn die speziellen Spielkonzepte manchmal etwas gewöhnungsbedürftig sind. Dieses Spiel sowie zwei weitere der Reihe können unter www.krimispiel.net erworben werden.

Dienstag, 9. März 2010

Pervasive Games: Theory and Design

Ob Alternate-Reality-LARP in der Innenstadt von Frankfurt, Pac-Man mit menschlichen Spielfiguren in den Straßen von New York oder das berühmt berüchtigte Spiel Killer (bei dem sich die Teilnehmer in allen Lebenslagen gegenseitig als Auftragsmörder auflauern) – so genannte Pervasive Games (von engl. pervasive = durchdringend, überall vorhanden) verwischen die Grenzen zwischen Spiel- und Alltagswelten.
In Pervasive Games: Theory and Design bieten die Autoren auf mehr als 300 Seiten einen ausführlichen Einblick in die Geschichte, Theorie, Mechanismen und Möglichkeiten dieser Spielformen. Eingehende Fallstudien beschreiben dabei bekannte und weniger bekannte Pervasive Games. Die Autoren behandeln außerdem Probleme dieser Spielform, zum Beispiel, ob es ethisch vertretbar ist, unbeteiligte Personen ohne ihr Wissen mit ins Spiel einzubeziehen. Darüber hinaus geben sie detaillierte praxisnahe Tipps zur Umsetzung und Planung dieser Spiele, wie etwa zum Thema Marketing.
Das englischsprachige Buch zeichnet sich trotz des wissenschaftlichen Anspruchs durch einen angenehmen Schreibstil aus. Es ist übersichtlich strukturiert, sodass sich einzelne Themen schnell nachschlagen lassen. Ein hilfreiches Werk für jeden, der sich näher mit Pervasive Games auseinander setzen will.

Donnerstag, 7. Januar 2010

From Russia with LARP

Beim Thema "LARP in Russland" fallen YouTube-gestählten deutschen Live-Rollenspielern vermutlich als Erstes brachiale Kämpfe mit Waffen aus Holz oder Stahl ein. Dass es auch im russischen LARP nicht nur darum geht, zeigt dieser kleine Weihnachts- und Neujahrsgruß russischer Live-Rollenspieler an die große weite LARP-Welt:



Mich haben ja besonders die Seeschlachten neidisch gemacht ...

(gefunden auf http://knutpunkt.se)

Montag, 19. Oktober 2009

LARP und Theater: A Small Town Anywhere

Das LARP und Theater gut zusammen passen zeigt in London gerade das Stück A Small Town Anywhere des Battersea Arts Centre.

Anders als beim typischen Krimidinner (bei dem man ja in erster Linie miträtseln darf, welcher Schauspieler der Mörder ist und wann der nächste Gang aufgetragen wird) scheint es sich hier wirklich um etwas zumindest LARP-ähnliches zu handeln, bei dem alle "Zuschauer" zu Akteuren werden und eigene Rollen erhalten.

Lyn Gardner vom Guardian schreibt dazu unter anderem: The show doesn't require any acting skills, and, because there is no audience in a traditional sense, all social anxiety about being on show or not doing the right thing quickly evaporates. I play it as if it's real – and that's exactly how it feels. For two hours, I lose myself in the show.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

LARPzeit in der Jungen Freiheit

Gerade fiel mir ein Presseausschnitt der "Jungen Freiheit" vom 17. Juli mit einer Rezension unserer LARPzeit #24 in die Hände. Abgesehen vom unerfreulichen Adrenalinschub, den diese Zeitschrift bei mir auslöst, war es aber zum Glück nur eine langweilige, schlecht zusammengeklatschte Rezension (knapp zwei Drittel des Beitrags bestehen mehr oder minder aus abgeschriebenen Passagen, die nach meinem Geschmack nicht mal ausreichend als solche gekennzeichnet sind), wie sie in jedem X-beliebigen Magazin stehen könnte. Offenbar gefiel dem Autor einerseits ganz allgemein am LARP die Möglichkeit des Nachspielens historischer Szenarien (Varusschlacht ...) andererseits im speziellen unser Charaktertyp: Handwerker (schon klar ...).

Memo an mich selbst: Mehr Berichte über LARP in Israel, verrückte schwedische LARP-Anarchisten und Spiele, bei denen man Nazi-Zombies erschießen darf ...

Dienstag, 1. September 2009

Videodokumentation zum SonsbeekLive

Gerade bin ich dank Eirik über eine Videodokumentation zum SonsbeekLive gestolpert:

Um kurz zu erläutern, um was es da eigentlich geht, zitiere ich mich der Einfachheit halber selbst:

Der Park von Sonsbeek ist seit Menschengedenken für alle Kulturen des Kontinents ein heiliger Ort, an dem die Unsterblichen, deren Präsenz sich überall im Park in großen, rätselhaften Skulpturen manifestiert, mit den Menschen in Kontakt treten. Hier treffen die Abgesandten verschiedener Nationen und Stämme aufeinander, die gekommen sind, um die Geheimnisse des Waldes zu ergründen.

Spirituelles Zentrum des Parks war ein uralter zwölf Meter hoher Turm, der als Versammlungsort der Gruppen, aber auch als Schlafquartier diente. Zwischen den Gesandtschaften herrschte überwiegend Frieden, allerdings führten Misstrauen und kulturelle Missverständnisse immer wieder zu Konflikten, die durch rituelle Duelle beigelegt werden mussten. Und der uralte Wald von Sonsbeek barg weitere Gefahren. Die Wege und Lichtungen wimmelten tagsüber von den ruhelosen Geistern längst Verstorbener. Es galt, ihnen entweder auszuweichen, um nicht unnötig ihre Aufmerksamkeit zu erregen, oder sie mithilfe von Spiegel und rituellem Lärmen abzuwehren, wenn sie drohten in den Turm einzudringen. Angeleitet von den geheimnisvollen Wächtern des Waldes und ausgestattet mit seltsamen futuristischen Artefakten, stellten sich die Charaktere den Aufgaben und Ritualen, um die Gunst der Unsterblichen zu gewinnen.


SonsbeekLive war ein experimentelles LARP-Kunstprojekt des New Yorker Künstlers Brody Condon und des dänischen LARP-Organisators Bjarke Pederson, das an mehreren Terminen im Sommer in Arnheim in den Niederlanden stattfand. Es unterschied sich von normalen LARPs insbesondere dadurch, dass die Veranstaltung Teil einer großen Kunstausstellung, der „Sonsbeek 2008: Grandeur im Sonsbeek-Park“, war. Die Handlung spielte in einer Fantasy-Welt, allerdings mit einem leichten Science-Fiction-Einschlag in Form der technologischen Artefakte. Auch bei der Ausgestaltung ihrer Kulturen und der Kostüme waren die Teilnehmer angehalten, typische Fantasykonzepte mit futuristischen Elementen zu verknüpfen.

Der experimentelle Charakter des Spiels zeigte sich noch in weiteren Elementen. So setzten sich die Gruppen aus vorgegebenen Charakterklassen wie Duellmeister, Herold oder Archivar zusammen, die jeweils bestimmte Aufgaben im Gruppengefüge hatten. Damit wurde unter anderem der spirituell-rituelle Charakter der Gesandtschaften unterstrichen, die hier ihre Völker im Wettstreit vertreten sollten. Außerdem gab es jeweils am Vorabend der Veranstaltungen für alle Teilnehmer einen kleinen Vorbereitungs-Workshop, der dabei helfen sollte, einen fließenden Übergang ins Spiel zu ermöglichen. Eine weitere Besonderheit war der Umgang mit Außenstehenden. Wo „Touris“ im LARP normalerweise irgendwie ignoriert werden müssen, wurde ihre Anwesenheit hier ins Spiel einbezogen, eben als die zuvor genannten Geister – wobei die im Spiel dazu verwendeten Mittel, der Aufmerksamkeit der Geister zu entgehen oder sie zu vertreiben, von den Organisatoren in Wirklichkeit natürlich dazu gedacht waren, das Interesse der Besucher zu erregen. ("SonsbeekLive: the Twentyfivefold Manifestation - LARP trifft Kunst" in der LARPzeit #22)
Hach ja, da werden Erinnerungen an obskure Rituale, seltsame Ehrenduelle und Glückskekse als Mittel der Entscheidungsfindung wach... Definitiv eines der skurilsten Spiele, an denen ich je teilgenommen habe!

Mehr zum SonsbeekLive findet man unter www.sonsbeeklive.org.

Sonntag, 30. August 2009

LARP formt den Charakter

Kann Live-Rollenspiel den Charakter verändern? Also nicht die Spielfigur sondern die Persönlichkeit des Spielers? Können beispielsweise schüchterne Menschen durch LARP selbstbewusster werden bzw. fördert das Hobby allgemein die Kommunikationsfähigkeiten? Und wenn ja, welche Mechanismen stecken dahinter? Diesen Fragen geht die Soziologin Myriel Balzer in ihrer Diplomarbeit nach, die unter dem Titel Live Action Role Playing - Die Entwicklung realer Kompetenzen in virtuellen Welten im Tectum Verlag veröffentlicht wurde.

Dazu analysiert sie die Mechanismen von Rollenspiel und LARP und wie die Interaktion und Kommunikation innerhalb der Spielwelt Einfluss auf die soziale Entwicklung eines Spielers außerhalb des Spiels nehmen kann. Der Bogen den sie dabei schlägt, reicht vom kindlichen Cowboy-und-Indianer-Spiel, über Dungeons & Dragons bis zur Theorie des kommunikativen Handelns nach Jürgen Habermas.

Etwas schade ist, dass einige englischsprachigen Arbeiten zum Thema des Buches, insbesondere der letzten Jahre, nicht in die Betrachtung mit eingeflossen sind (siehe dazu auch eine etwas ausführlichere Analyse in Jiitoumas Blog).

Für den "Durchschnittslarper" ist das Werk vielleicht etwas zu wissenschaftlich. Fachbegriffe und komplexe Modelle drohen Nicht-Soziologen (wie mich) an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Live-Rollenspielern mit entsprechendem fachlichen Interesse dürfte diese eingehende Beleuchtung des Hobbys, seiner Mechanismen und der daraus erwachsenden Möglichkeiten dagegen faszinierende Einblicke liefern. Ein Buch, das in den nächsten Jahren sicher noch häufig zitiert wird!


Live Action Role Playing - Die Entwicklung realer Kompetenzen in virtuellen Welten

Myriel Balzer
116 Seiten, Paperback
Tectum Verlag 2009
Preis: 24,90 €
ISBN 978-3-8288-9816-5